11
Aug
2014

was ich manchmal nicht verstehe.

warum wollen Frauen Burkas tragen? Mir ist einerseits klar, dass es Ausdruck ihres Glaubens ist, und die Verschleierung dazu dienen soll, sich vor den Blicken anderer Männer zu schützen, was ist aber mit all den anderen Frauen und Kindern "da draussen"? Muss man sich vor deren Blicken auch in acht nehmen? Wie kann ich jemandem meine ehrliche Meinung ins Gesicht sagen, wenn ich es nicht sehen kann? Und wie kann ich dabei jemandem Vertrauen schenken?Selbst ein Blinder kann Gesichter sehen, wenn er diese berühren darf. Aber wenn mir ein Mensch gegenüber steht, der sich vor mir verschleiert, dann empfinde ich das als Verstecken.

Was ist so schlimm an Blicken und Berührungen anderer? Ich bin ein Herdentier und auch wenn ich manchmal meine Ruhe haben möchte, könnte ich dauerhaft nicht ohne Blicke und Berührungen anderer leben. Mit Blicken meine ich nicht das tumbe Anstarren, sondern das Anlächlen oder respektvolle Begrüssen, wenn man sich begegnet, und mit Berührungen sind auch nicht erotische Höchstleistungen im Schlafzimmer gemeint, sondern vielleicht eine liebevolle oder freundschaftliche Umarmung, die sehr viel Wärme ausstrahlen kann.

Vielleicht fehlt mir das religiöse Verständnis und vielleicht hätte ich diesen Blog nie geschrieben, wenn ich in einem entsprechenden Kulturkreis aufgewachsen wäre. Aber ich denke, wenn Gott - oder die Natur - ( für die Atheisten ) gewollt hätte, dass wir uns vor anderen verstecken sollen, dann wären wir alle ohne Gesicht geboren worden.
Aber grade das Gesicht empfinde ich als Visitenkarte eines Menschen und jede einzelne Falte erzählt eine Geschichte, die dazu beiträgt, uns zu dem Menschen zu machen, der wir grade im Moment sind. Warum muss ich also diese Geschichten verstecken?

Im Buch "Into the wild" von John Krakauer heisst es "Der Kern des menschlichen Wesens bildet sich aus neuen Erfahrungen", kann ich diese Erfahrungen auch machen, wenn ich mein Gesicht verstecke, möchte ich dann überhaupt neue Erfahrungen machen?

Dieser Blogbeitrag soll absolut keine Verunglimpfung sein, aber mir fällt es manchmal schwer zu verstehen, warum sich Menschen Regelungen freiwillig unterwerfen, die ein Miteinander - welches losgelöst ist von allen religiösen Glaubenssätzen - meiner Meinung nach, eher erschwert, als erleichtert.
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27
Jul
2014

Einkauf mit der Ex(-Erziehungsberechtigen)

oder kurz gesagt, shopping mit Mum..

Nach dem Tod meines Vaters im letzten Jahrm, besitze ich nun die Familien-Chauffeurs Mütze und darf nun einmal wöchentlich meine Mutter zum Einkaufen begleiten. Okay, eigentlich ist es eher ein Muss, weil der Rest der Familie unter "Einkaufen" versteht : "man renne in den Laden, nehme nur das, was auf der Liste steht, schubse zwei Rentner und drei Vorschulkinder an der Express-Kasse auf die Seite, verneine sämtliche Fragen der Kassiererin nach Treuepunkten, Payback-Punkten, Blutgruppe, Hedgefondanteile und Patientenverfügung und verlasse schleunigst wieder den Ort des Konsumhandels"..

Ich bin da etwas gemütlicher, ich lass zwar nicht die EC-Karte glühen, aber bei mir ist dieses Millionen Jahre alte Sammlerinnen-Gen immer noch sehr aktiv, wobei ich weniger sammel, als gucke, was es so gibt...

Also dachte ich mir nichts dabei, als ich Mum anbot, sie mitzunehmen..es ist auch wirklich bisweilen ganz amüsant, zumindest wenn ich nicht vergesse, zuvor die Europalette Baldrian Dragées einzunehmen. Was dann manchmal zur Folge hat, dass ich - ähnlich wie der Joker in Batman - mit einem leicht debilen Grinsen durch die Gänge des Supermarkts fahre.

Das Schöne bei solchen Einkäufen mit meiner Mum ist die Tatsache, dass es immer nach dem gleichen Schema abläuft, sodass auch ein Autist nicht in Stress gerät, sollte er mich mal vertreten. Immer die gleichen Wege und fast immer die gleichen Produkte für Neuerungen und Experimente ist meine Mutter nicht zu haben.

Begonnen wird in der Gemüseabteilung, dort ist der Startpunkt meines Warm-Ups. Ich mutiere dann vorübergehend zu einem englischen Apportier-Hund und besorge brav die gefordertern Produkte, letztes Jahr wurde ich sogar upgegraded..ich darf seitdem sogar abwiegen..

Spätestens in der Abteilung für Milchprodukte ist es dann meist immer soweit: Mutter trifft auf eine ungefähr gleichaltrige Eingeborene, die dann meist die sehr originelle Begrüssungsfloskel "Ach, hallo, Sie ( oder Du - je nach Länge der Stammeszughörigkeit und gesellschaftlichem Status ) also auch hier beim Einkaufen?" zum besten gibt.

..manchmal würde ich dann gerne darauf antworten : "nein, wir sind in Wirklichkeit auf der Flucht vor brandschatzenden Kongo-Rebellen und haben gehört, dass neben dem Tchibo-Regal eine Wohnung frei wurde, die wir jetzt besichtigen möchten"..

aber meist bleibt mir nur die kleine Freude, dass ich den Dialog der beiden Voltaren-Queens Lippensynchron mitsprechen darf.

Weiter geht es dann zur Fertigprodukt-Abteilung und da landet jede Woche ein Nachfüllpack im Wagen, der in den 60 und 70er Jahren DIE Nachkriegs-Antwort auf die asiatische Glutamat-Übermacht gewesen ist : Fondor ( der pulverisierte Bruder des Maggi-Würzmittels )
Durfte vor 30 oder 40 Jahren in keinem Haushalt fehlen. Und wurde ausser in Süssspeisen überall verwendet, ich glaube sogar, es eignete sich auch ganz gut als Streusalz im Winter.
Und war oftmals wichtiger Bestandteil eines schulischen Butterbrotes, wenn mal keine Wurst oder Käse greifbar waren.

Eigentlich mochte ich es ganz gerne, aber dann habe ich mit Einsetzen der Pubertät eine Unverträglichkeit entwickelt, die sich in Form von Myriaden von Pickeln darstellte, sobald ich davon probierte. Und da ich auch Clerasil als eventuelle "Gegenwaffe" nicht vertrug, hab ich es dann gelassen..

Aber meine Mutter ist da vollkommen zeitlos und auch die ganzen Berichte über die Folgen von der Einnahme von Glutamat interessieren sie absolut nicht "Sterben müssen wir eh alle, ob nun gsund oder krank" ist dann so ihre Antwort..

Zwischendurch passiert es auch, dass ihr der Name eines Artikels nicht einfällt und heisst es "Hol mal das Ding"..und jetzt wird es knifflig, denn mit Älterwerden hat sich nicht nur das Diplomatie-Gen- sondern auch das Gedulds-Gen meiner Mutter verabschiedet..;-)

Ich muss also versuchen, schnell zu wissen, was sie denn meint..am Anfang dachte ich noch, dass ich durch den Satz "Also der Name "Ding" grenzt ja den Suchradius angesichts des enormen Produktsortiments dieses Marktes tierisch ein"..
die ahnungslose Stimmung aufheitere..aber der Schuss ging nach hinten los..wenn ich dreimal falsch liege, dann kommt.."dann hol ich es eben selber"..begleitet von einem Schnauber, welches wohl auch die Stiere in der Startsequenz in Pamplona draufhaben, Augenrollen bis zum Hirnrindenansatz..sowie dem aggressiven Griff nach dem Wagen, damit macht sie sich auf den Weg. Und ich bin dann immer wieder erstaunt, welche Wirkung Wut auf die Geschwindigkeit einer Mitsiebzigerin mit zwei Knieprothesen haben kann, manchmal schafft sie es sogar, dass der eine oder andere Leerkarton durch den Luftzug beim Geschwindigkeitsrausch am Rande der Rennstrecke aufgewirbelt wird...

Die gleiche Geschwindigkeit hat sie übrigens auch drauf, wenn ich sie wirklich inständig bitte, an Ort und stelle stehen zu bleiben, sobald ich mehrere Produkte auf einmal holen muss.
Denn wer steht nicht an vereinbarter Stelle, wenn ich dann - einem marokkanischen Packesel gleich - mit gefühlten 3 Trillionen Produkten auf Schoß und zwei Arme verteilt, dorthin komme? Richtig, die Frau, die mich geboren hat.

Stattdessen ist sie dann schon meist an der Kasse, während ich etwas abgekämpft und hinter mir eine Spur von den heruntergefallenen Artikeln, die ich unterwegs verlor, mit letzter Kraft das Ware-Kunde-Zuordnungshölzchen ( naja dieser Trennstab halt auf dem Laufband ) für den nachfolgenden Kunden auflege...

Aber insgesamt ist es eigentlich ganz lustig mit ihr...und bald ist wieder Freitag, meine Lieferung Baldrian kommt zum Glück schon am Mittwoch..;-)

Frohes Einkaufen!! ;-)
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26
Jul
2014

Kür und Wehmut

Zwei Damen im Rollstuhl sassen heute nach einem gemeinsamen Kochen zusammen und sinnierten über die Fragen "Was bleibt einem in Erinnerung, was vergisst man, wenn das Laufen nicht mehr "drin" ist..Bei ihr ist es jetzt 6 Jahre her und bei mir genau 20.

Und es war interessant zu erfahren, dass wir beide uns zwar nicht mehr daran erinnern können, wie es sich anfühlt zu laufen. Das ist eigentlich eine ziemlich gute Erfindung des Körpers. Was Du nicht mehr nutzen kannst, das sortierst Du gedanklich irgendwie aus.
Aber wir beide konnten uns noch sehr genau an die Geräusche und Klänge erinnern, die beim Laufen entstehen. Beispielsweise das leichte Knacken, wenn Du mit Stiefeln durch den Schnee läufst, das sanfte Rauschen der Wellen, wenn Du ins Meer gegangen bist oder die Tapsgeräusche beim Barfusslaufen über gefliessten Boden.

Diese Erinnerung ist noch sehr lebendig, sowohl bei ihr, als auch bei mir..vielleicht auch deswegen, damit der Kontakt zum "LebenA" nicht ganz abbricht und die Kür besteht dann darin, das Ganze nicht mit zuviel Wehmut zu verpacken, heute haben wir aber die Kür, Kür sein lassen und ein wenig alte Zeiten "bewehmutet"..

Es ist nun mal für mich, auch nach zwanzig Jahren, hin und wieder immer noch nicht verständlich, dass ich zwar den Boden unter meinen Füssen fühlen kann, aber sobald ich vom Gehirn her versuche den Befehl zu geben, die Beine zu bewegen, passiert nichts..es ist dann so, wie wenn man den Schalter einer Lampe betätigen möchte, die zwar von aussen funktionsfähig aussieht, aber trotzdem kommt kein Licht.

Deswegen ist der Ausspruch "Laufen wird überbewertet" schon so eine Art Mantra, besser gesagt, eine Schutzbehauptung, die mir dann in "Wehmutsmomenten" helfen kann, das Ganze so hinzunehmen, wie es nun mal ist..wobei wir wieder bei der Kür wären.

So wie am Schluss des heutigen Abends, denn wir haben beide beschlossen, dass wenn irgendwann so ein Mann auftaucht, der aussieht, wie einer von den Bee Gees und rein zufällig auf der VHS in Bethlehem den Kursus "Wie bringt man Lahme zum Gehen" erfolgreich absolviert hat, dann packen wir den Skoda und machen eine Pilgerfahrt und bis dahin lassen wir uns dann beispielsweise im Winter auf Kufen unterm Rolli durch den Schnee ziehen, das macht dann sicherlich ähnliche Geräusche, wie damals im Leben A in Moonboots..;-).

Schlaft gut!!!
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18
Jul
2014

was wird sein, was bleibt?

Gestern Abend war Nostalgie angesagt, beste Freundin kam spontan vorbei und wir liessen das Jahr 1988 aufleben, mit hochtpupierter Gedenkhaarfrisur und Dirty Dancing..zunächst war es sehr heiter, aber dann wurden wir nachdenklich und haben die die halbe Nacht geredet, auch über das, was mal sein wird und was bleibt, wenn wir mal nicht mehr sind.

Ja, vielleicht jetzt nicht DAS passende Thema für den Sommer, aber im Herbst/Winter darüber zu sinnieren, kann jeder. Ausserdem mag ich den Anachronismus, was vielleicht bedeutet, dass ich im Winter einen Blog über das Melonenschnitzen am Strand von Maui bei 32 Grad schreibe.

Das Thema Vergänglichkeit hat mich oft schon im Leben begleitet.
Begonnen habe ich damit im Alter von 5 oder 6. Es gab damals eine Sendreihe von Hoimar von Ditfurth mit dem Titel "Querschnitte" ( wahrscheinlich hatte ich damals schon Vorahnungen bezüglich meines späteren Lebens, dass ich diese Sendung so gerne sah..:-) )

Übrigens legte von Ditfurth den Grundstein für meine - die ganze Kindheit hindurch andauernde - Phobie vor Männern mit Bärten ( Hauptsächlich Vollbärte - Oberlippenbärte konnte ich einigermassen tolerieren ) und meine eigene Familie trug auch nicht dazu bei, meine Ängste dahingehend zu mildern, hatten doch alle 4 Brüder meines Vaters dichte Haarpelze um das Kauwerkzeug herum.
Wodurch Familienfeiern, bei denen es üblich war , kleine Nichten bei der Begrüssung fest an sich zu drücken und zu herzen, für mich in besonders traumatischer Erinnerung geblieben sind..


Zurück zur Sendereihe:
Darunter war eine Folge, in der er über den Hitzetod der Erde in ein paar Milliarden Jahren sprach, die Erde würde dann in der Sonne versinken und alles Leben auf ihr würde ausgelöscht.

Das Problem dabei war, dass für mich in meiner Funktion als Kleinkind ( drei Jahre vor der Einschulung ) die Zeitdauer "ein paar Milliarden Jahre" ungefähr so klang wie "nächste Woche Mittwoch"!

Mit anderen Worten, meine Mutter bekam einige Tage lang meine kindliche Endzeitstimmung sehr deutlich spüren.
Das war so der Zeitpunkt, an dem ich anfing Fragen zu stellen, was denn passiert nach dem Tod. Meine Mutter - austrainierte Katholikin - antwortete natürlich streng nach den vatikanischen Vereinsregularien, dass man nach dem Tod auferstehen würde und dann in den Himmel käme..dank meiner ziemlich lebhaften Fantasie und meinem kindlichen Defizit, die katholische Bildsprache richtig zu verstehen, weigerte ich mich danach auf Friedhöfe zu gehen, weil ich mir vorstellte, dass alle Nase lang, aus irgendeinem Grab irgendjemand in den Himmel schiessen würde, wie ein Silversterkracher..


Was aber immer wieder mal als Angst da war, war ( und ist ) die Vorstellung, "irgendwann bist Du nicht mehr"..hab mir den Moment vorgestellt..( bis heute, bleibt mir wohl auch erhalten ), ich bin auch nicht so abgeklärt genug, dass ich dann sagen kann "also Angst vor dem Tod habe ich nicht, nur vor einem eventuellen Leiden davor"..bei mir ist es dann in solchen Momenten "gehupft, wie gesprungen", mir macht beides Angst.
Aber trotzdem denke ich, dass es irgendwie weitergeht.

Das ist jetzt nicht religiös geprägt. Mir ist vom medizinischen Standpunkt her bewusst, dass ein nicht mehr funktionierendes Gehirn von aussen her betrachtet bedeutet, dass der menschliche Körper zur leblosen Hülle wird.
Aber ich denke, aufgrund der Fähigkeit, dass wir beispielsweise träumen können und Fantasien haben, baut sich dadurch der menschliche Körper eine Art Schutzmechanismus auf, damit man nicht in Panik gerät, vor diesem Moment.

Ich verbinde mit diesem Mechanismus die Vorstellung, dass jeder irgendwo in sich eine Art Filmvorführer hat, der ein Leben lang in einer Kammer sitzt und Zeitung liest und dann - wenn es soweit ist - genau den Film über das Leben nach dem Tod einlegt, den sich jeder vorstellt. Also ganz individuell. Vielleicht läuft bei denen, die glauben, nach dem Tod wäre alles vorbei, ein flimmerndes Schneebild ( so wie früher, als es noch kein Nachtprogramm im Fernsehen gab ) und andere treffen dann Verwandte und Freunde wieder.

Dieser Film ist unter messbaren, realen Bedingungen vielleicht nur einen Bruchteil einer Sekunde lang, aber für einen selbst, ist er ewig.

Vielleicht ist das auch die Erklärung dafür, dass ich die meiste Zeit über positiv gestimmt bin, weil ich das Gefühl habe, ich habe nicht soviel Zeit wie andere, und es mir deswegen besonders wichtig ist, dass in meinen Film viele schöne Momente enthalten sind, die ich zu Lebzeiten erfahren durfte wie zum Beispiel Begegnungen, Gespräche, Erkenntnisse, Musikstücke, die mich sehr bewegt haben und ganz viele Düfte ( beispielsweise das Rasierwasser meines Vaters, dass immer durch die Wohnung schwebte, wenn Samstag Badetag war..;-) )..oder dass es immer wieder Menschen gab, die für mich da waren, wenn ich Hilfe und Unterstützung brauchte, das ist keine Selbstverständlichkeit.

Was bleibt von mir..nun Materielles wird es wohl nicht sein, das habe ich schon bei drei Wohnungsauflösungen von verstorbenen Verwandten erlebt. Ist aber okay. Schlimm wäre für mich eher, wenn nichts mehr an mich erinnern würde, als hätte es mich nie gegeben. Okay aus rationaler Sicht, muss ich mich mit dieser "Erde zu Erde und Staub zu Staub " Nummer abfinden. Kann ich aber nicht so richtig. Zumindest nicht die ganze Zeit.

Deswegen ist es mir vielleicht auch so wichtig, dass ich viele interessante Menschen kennenlerne. Nicht nur, weil sie mich interessieren, sondern weil ich vielleicht dadurch auch die Chancen erhöhe, dass das etwas von mir beim einen oder anderen im Gedächtnis bleibt, wenn ich mal nicht mehr bin.
Und ich hoffe, dass es dann hauptsächlich nette Erinnerungen sind, was also für mich bedeutet, nicht zu einer grimmigen Nervzauselin zu mutieren. Zumindest arbeite ich daran, ist aber noch nicht ganz perfekt...;-)..

Deswegen wünsche ich jedem, dass er soviele schöne und erinnerungswürdige Momente wie möglich zu seinen Lebzeiten sammeln kann, damit der kleine Vorführer jedem seinen ganz besonderen Film zeigen wird.

Gute Nacht!!
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8
Jul
2014

wen wundert's?..mich

Gestern Abend auf dem hiesigen Stadtfest habe ich wieder eine interessante Erfahrung mit einem etwas älteren Fussgänger gemacht. Er hat mich eine ganze Weile angesehen und dann kam er auf mich zu. Eigentlich hatte ich mit einem harmlosen Smalltalk gerechnet, vielleicht übers Wetter, oder dass manche Menschen auch in historischen Kostümen modetechnisch nicht wirklich gut rüberkommen.
Aber statt eines "Hallos" kam ein "ach herrje, Sie arme Frau, Sie tun mir so leid, dass ist wirklich schlimm"...Ich habe ihn leicht irritiert angesehen und wollte schon sagen "ja stimmt, mein Hugo-Cocktail ist dermassen süss, da sollte ein Warnhinweis für Diabetiker angebracht werden.."..

Aber er machte weiter "Der Rollstuhl ist echt schlimm, das ist doch kein Leben.." Okay..ich räusperte mich und spielte gedanklich "Schnick, Schnack, Schnuck", ob ich ihn nun anzicken sollte, oder erst mal ruhig bleiben..hatte mich vorläufig für Letzteres entschieden.

War ein wenig bizarr, die Situation..Der Bemitleider leidet mehr als die vermeintlich Bemitleidende ..war aber nicht das erste Mal..also spulte ich meine Standardsätze runter à la "Ist doch halb so wild.." "Laufen wird überbewertet".. "Und ich bin froh, dass ich den Rollstuhl habe, sonst müsste ich auf der Auslegware herumkriechen und sowas möchte ich weder mir, noch irgendeiner Auslegware antun"..
Normalerweise habe ich damit immer Erfolg, aber dieser ältere Herr war echt ein harter Brocken.

Deswegen habe ich ihn gebeten, zu gehen, bevor er noch in Tränen ausbrach, darauf hatte ich nun wirklich keine Lust, Verständnis hin oder her....gab ihm aber noch Nina Ruge's "Alles wird gut"-Zitat mit auf den Weg.

Nach solchen Begegnungen frage ich mich dann manchmal schon, welche Vorstellungen der eine oder andere über seine Mitmenschen hat. Ist es so eine Art Überlegenheits-App? Hat die vielleicht jeder? Denn habe ich mich auch schon ertappt, dass ich gedacht habe "Nochmal Glück gehabt", als ich auf jemanden traf, der stärker behindert war, als ich.
Vielleicht ist es dann das probateste Mittel, über den Dingen zu stehen und sich nicht davon einschüchtern zu lassen. Aber hin und wieder ist es notwendig, Dinge klarzustellen..

Beispielsweis habe ich vor kurzem ein Kompliment erhalten, welches scheinbar sicherlich bewundernd gemeint war, es aber doch bei mir einen leicht bitteren Nachgeschmack hinterlassen hat. Und zwar sagte mir diese Person, dass sie es ganz beeindruckend fände, dass jemand im Rollstuhl solche Gedanken in einem Blog schreiben kann..Mhmm..was hat das mit dem Rollstuhl zu tun? Das schöne am menschlichen Geist ist doch, dass er vollkommen frei und losgelöst von irgendwelchen körperlichen Einschränkungen agieren und formulieren kann. Er kann einem helfen, seinen Platz im Leben zu behaupten, egal wie die körperliche Gesamtsituation konzipiert ist.

Und er hilft Dir manchmal auch, Wege zu finden, Situationen erträglicher zu machen..Beispielsweise als ich damals auf der Intensivstation lag, kurz nach der OP, die mich zur Querschnitte machte, hatte ich wahnsinnige Schmerzen, konnte mich aber nicht mitteilen, also gab mein Geist den Befehl, mir immer wieder Haare am Pony rauszureissen, klingt erst mal heftig, aber brachte eine Schmerzverlagerung, wenn auch nur vorübergehend. Körper und Geist spielen manchmal nicht immer in der gleichen Liga, meist ist einer dem anderen überlegen, aber wenn es drauf ankommt, dann können sie im Team fungieren, ( bsp. Haare rausreissen ;-) )

Aber manchmal muss auch der Geist gebremst werden, sobald es zu Fehlfunktionen kommt, beispielsweise bei der Selbsteinschätzung, ganz lapidar ausgedrückt, wenn man anfängt sich selber Probleme zu machen, wo eigentlich gar keine sind.

Ich glaube, so merkwürdig das auch klingen mag, dass grade in solchen Momenten eine Behinderung vielleicht sogar eine Art Vorteil sein kann. Denn bei einer Behinderung kommen meist die Probleme von aussen, sodass Du eigentlich keine Zeit hast, Dir selber welche zu "züchten"..;-)..was mich aber auch trotzdem nicht davon abhält, mich immer mal wieder zu durchleuchten und vielleicht Defizite festzustellen, die andere gar nicht wahrnehmen.

So gesehen halte ich mich selbst für mein eigenes Disneyland. Ich bin dann ehrlich gesagt immer neugierig, was so alles in mir schlummert, mal bin dann stolz drauf, aber manchmal denke ich auch "also die Sache mit dem Ruhm bekleckern, hatte ich irgendwie anders in Erinnerung"..;-)

Das Unterbewusstsein spielt da oftmals eine zentrale Rolle. Dieses "Zusatz-Feature" des menschlichen Geistes ist oftmals sehr wichtig und hilfreich, aber manchmal ist das Ding empfindlicher eingestellt, als ein Rauchmelder in einem Atomkraftwerk.
Es neigt zur Übervorsicht und fungiert dann als Kandare, sobald es mit Situationen konfrontiert wird, die in der Vergangenheit mal schiefgegangen sind.
Wie wäre es also, wenn man dann - anstatt sich an die Kandare zu nehmen - stattdessen dem Unterbewusstein ein herzerfrischendes, grundehrliches "Halt doch mal die Fresse" an den Kopf knallt?

Problem-Wiederholungen empfinde ich als Stützräder an einem Kinderrad..sie geben Dir eine trügerische Sicherheit, nach dem Motto, "so war es schon immer - so wird es bleiben", sieht es aber nicht merkwürdig aus, wenn man als Erwachsener immer noch auf einem Kinderrad mit Stützrädern sitzt? Selbst wenn man dann die Stützräder entfernt, wird das Umfallen ja keine Endlosschleife..;-)
und für die paar mal Umkippen gibt's genügend Pflaster..;-)

Nur weil irgendwann mal was schiefgegangen ist, muss sich dass ja nicht immer wiederholen. Der Film "Und täglich grüsst das Murmeltier" hatte ja auch nach 102 Minuten ein nettes Ende..;-)



Wünsche einen WUNDERschönen Tag!

Moment...


..eine Sache gibt es aber noch, die mich immer wieder wundert, eigentlich eher annervt, von mir aus auch, ankotzt..diese Opferhaltung von einigen Behinderten, die im Selbstmitleid ertrinken und alles Scheisse finden..und sich ständig einreden, sie wären zu schwach und könnten sich nicht wehren..das wäre ja nicht das Problem, aber wenn dann von deren Seite die Behauptung aufgestellt wird, dass es pauschal allen Behinderten so geht und der Staat und die Gesellschaft sie ständig unterdrücken, missachten und diskriminieren , dann könnte ich echt kotzen....

Aber okay, jeder hat das Recht auf seine Sicht der Dinge, aber genauso hat jeder andere das Recht, diese Sicht bisweilen absolut nervtötend und Scheisse zu finden..;-)

...WUNDERschönen Tag, Klappe, die Zweite..;-)
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3
Jul
2014

Gute Reise!!

Ich lese manchmal ganz gerne Profile auf Kontaktportalen. Und dabei begegnet mir immer wieder ein Satz "Ich möchte gerne ankommen". Sicherlich ein legitimer Wunsch, aber was bedeutet das eigentlich?

Ich komme ja beispielsweise auch an einem Flughafen oder Bahnhof an, aber dann gleich dort zu bleiben und sich niederzulassen, macht ja auch keiner ( ausser wenn es unfreiwillig ist, so wie dieser "Terminal-Man" dessen Odyssee mit Tom Hanks in der Hauptrolle mal verfilmt wurde).


Ich finde , "Ankommen" hat einerseits etwas Endgültiges, fast schon ein Ende der Fahnenstange...Robin Williams hat mal gesagt, als er einen Preis für sein Lebenswerk bekommen "Fuck, dieser Preis sagt Dir durch die Blume "Okay, Opi, Du bist jetzt angekommen, tolle Rollen gibt es nicht mehr, aber hier hast Du einen Rentnerpreis, den kannst Du dann im Seniorenstift aufstellen, gleich neben dem Glas mit Deiner Zahnprothese"..;-)

und auf der anderen Seite, ist der Wunsch irgendwo anzukommen eine Art Sehnsucht, die einen fast ein Leben lang begleitet.
Sehnsüchte sind schon okay, nur mit dem Stillen der selbigen, hapert es meist.

Was ist nun aber, wenn man "ganz nebenbei und unbemerkt" schon längst angekommen ist? Und braucht es dazu wirklich einen Partner? Ich glaube nicht, er kann zwar dabei sicherlich das
"zusätzliche Sahnehäubchen" sein, aber wenn ich es als Voraussetzung sehe, dass ich zuerst einen Partner haben sollte, um dann angekommen zu sein, dann möchte ich - ehrlich gesagt - nicht in der Haut des/der "Auserwählten" stecken..;-)...denn der Druck, der dabei aufgebaut werden könnte, lässt wahrscheinlich jeden Feuerwehrschlauch beim Einsatz alt aussehen..

Vielleicht sollten Freundschaften oder Partnerschaften sein, wie eine Reise, die man zwar gemeinsam machen kann, aber man ist nicht gezwungen, tagtäglich Zeit miteinander zu verbringen, sondern kann sich auch mal anderen "Touristengruppen" anschliessen oder aber auch mal alleine sich Sehenswürdigkeiten ansehen. Und wenn mal dicke Luft herrscht, sucht man sich halt vorübergehend ein anderes Hotel..;-) und muss nicht gleich die Reise abbrechen, kostet eh nur sinnlos Stornogebühren und den kompletten Reisepreis bekommt man dann meist auch nicht ersetzt...und fürs Ankommen bleibt dann trotzdem noch Zeit..;-)


und noch ein wenig Sarkasmus zum Schluss bezüglich Profiltexte..wenn es da eine "ich mag nicht"-Rubrik gibt, dann steht da des Öfteren "ich mag nicht belogen und betrogen werden"..ich kann zwar schon die Absicht dahinter verstehen, die durch entsprechende Erfahrungen entstanden ist..Aber welchen Sinn hat das Ganze? Soll das jemanden abschrecken, so nach dem Motto "Mensch, Mensch, jetzt hätte ich einmal Lust gehabt, jemanden zu belügen und betrügen und nun will der das nicht.."?

oder aber der Satz "er/sie muss mich nehmen, wie ich bin"..heisst das etwa im Klartext, man kann sich charakterlich verhalten, wie Hein Kack im Schnee und der andere muss einen trotzdem mögen?
Mhhmm ich glaube, ich habe da grade eine Geschäftsidee, ich mach einen Handel auf und vertreibe "dicke Felle", die wird man dann garantiert brauchen..;-)
307 mal gelesen

21
Jun
2014

Ihr seid super!!

In den letzten Tagen gab es hier in meinem engeren Familienkreis einige Menschen, die einen richtigen Durchhänger haben, die verzweifelt sind, sich nicht gut genug, bzw. schwach fühlen und sich einfach ihrem Schicksal ergeben wollen. Das kann man natürlich, aber vielleicht kann man es sich so einrichten, dass man sich dabei ab und zu eine Happy-Hour gönnt, in dem man sich einfach mal was Gutes tut und kein schlechtes Gewissen dabei hat.

Und wenn jeman sagt, dass er schwach ist, wie wäre es dann mit folgendem Beispiel: knapp zehn Monate vor Eurer Geburt habt ihr das wichtigste Rennen Eures Lebens gewonnen, nämlich den ersten und auch einzigen Platz( Mehrlingsgeburten lasse ich jetzt mal ausser acht..;-) ) in der weiblichen Eizelle. Wenn Ihr also wirklich denkt, Ihr wärt schwach, warum habt Ihr dann das Rennen gewonnen? Biologischer Zufall..mmhm..nein, denn die Natur sucht sich schon den stärksten raus, jeder von uns ist also ein Gewinner!! Und wenn man bedenkt, wieviele Samenzellen sich da jedesmal auf den Weg machen, dann ist das schon enorm, wenn Du der Sieger bist. Da kann so mancher Casting-Kandidat einpacken, der sich nur gegen eine Handvoll Konkurrenten durchsetzen muss.

Ihr seid stark und viel zäher und flexibler, als Ihr es wirklich denkt!!! Das einzige Problem ist dabei Eure Wahrnehmung. Wenn Ihr meint, die Welt wird immer schlimmer und kälter, dann hättet Ihr mal im Mittelalter leben müssen, da hatte beispielsweise der Hofhund mehr Ansehen, als so manche Frau. Und wie die Welt noch vor 70 Jahren war, wissen ja noch viele..
Übrigens mit Stärke meine ich jetzt nicht dieses Ellenbogen-Gehabe, das brauchen nur diejenigen, deren Verstand zu oft einer geistigen Diarrhoe ausgesetzt ist..und bei Durchfall verliert man nicht nur eine enorma Anzahl an Mineralien, sondern scheinbar auch jede Menge an klarer und reflektierter Erkenntnisfähigkeit!!

Wenn es also einen Durchhänger gibt, dann heisst das nicht, dass Ihr versagt habt, sondern, dass Euer Unterbewusstsein freundlich aber bestimmt Euch versucht mitzuteilen "Also ich mag Dich ja eigentlich ganz gerne, aber so wie es bisher lief, kann das auf die Dauer nicht gut gehen." Ist also ein ganz normaler Prozess und kein Rückschlag oder ein Versagen. Es gibt im Leben immer wieder Phasen der Neujustierung und die geht halt nicht immer friede-freude-eierkuchentechnisch von statten.

Betrachtet es doch mal so, Ihr steht an einem Türrahmen, hinter Euch das Gewohnte, Vertraute, vielleicht auch eine Welt der Kontrolle, in der Ihr die Fäden in der Hand hattet. Vor Euch vielleicht erst mal ein Abgrund, aber das "schöne" an solchen Abgründen ist, man weiss nicht, was sich dahinter verbirgt. Klar kann das die ewige Verdammnis sein, aber hey wie war das noch mal mit dem gewonnenen Rennen? Wenn es die Verdammnis wäre, dann hättet Ihr schon damals nicht den Eizellen-Pokal bekommen..

Und vielleicht kann man sich vorstellen, dass man das Gewohnte gegen etwas eintauscht, das viel lebendiger ist. Genauso ist es mit der Sinnsuche. Bei einer Suche geht man von etwas aus, dass man etwas Gewohntes/Bekanntes in einer neuen Situation finden will. Aber kommt man nicht da vom Regen in die Traufe? Man will was finden, was man bereits kennt..das wäre doch dann eher ein "auf der Stelle-Treten" nur eben mit einer neuen Tapete ( gesponsert vom "Zuhause im Glück" Bautrupp von RTL2)..

Ich weiss nicht, aber wenn man versucht, die eigene Festplatte von "ich will was suchen" auf "Ich möchte was finden" umprogrammiert, dann sind alle Wege offen und es bleibt spannend, natürlich ist es ein Wagnis, keine Frage, aber - und die Reinkarnationsfreunde hören jetzt mal für einen Moment weg, sie haben ja noch genug Leben, wo sie wieder zuhören dürfen - wir haben nur dieses eine Leben und wäre es nicht klasse, wenn man später im Schaukelstuhl ( oder in einem futuristischen Schwebesessel, dessen Erfindung von der Enterprise stammt, die es doch noch geschafft hat, früher aus dem Delta-Quadranten zurückzukehren ;-) ) zu sitzen und zu dem Ergebnis kommen "Okay, ich hab zwar sicherlich den einen oder anderen Bockmist gemacht, aber ich hab mein Leben wirklich ausgekostet!!


Und dieses Wagnis bedeutet absolut keinen Kontrollverlust, es bedeutet nur, dass Du die Fäden etwas lockerer halten solltest, dass dann das Leben ein wenig mehr Platz hat, Dir zu zeigen, was es denn so alles in seinem Bauchladen hat..;-)



Was das Auskosten vielleicht noch verhindern könnte, wäre das gern benutzte Argument "ich würde ja gerne, aber ich muss mich an gesellschaftliche Vorgaben halten"..mmhmm..Wirklich? Solange Du kein Amokläufer bist, älteren Damen hobbymässig die Handtaschen klauen willst, oder bei blindgewordenen Dackeln gerne mal die Möbel in der Wohnung umstellst, sodass sie dagegen stossen..( sind jetzt nur Beispiele ) musst Du Dich eigentlich an gar nichts halten!!

Ausserdem denke ich noch nicht mal, dass es die Gesellschaft ist, die die Vorgaben macht, man schiebt sie gerne vor, um zu verdecken, dass man diese Auflagen sich selber macht.
Aber dann kann es passieren, dass das Leben auf einen zukommt, auf die Schulter tippt und leicht verständnislos fragt" Also hör mal, mein lieber Freund und Kupferstecher, ich hab mir schon meine Gedanken gemacht, als ich Dich damals erschaffen habe, ich hab Dir die Fähigkeit zum Lachen, Träumen und Phantasieren gegeben und ja auch die die Sache mit dem sozialen Denken, dem Willen der Zuversicht, der Kreativität und Intelligenz stammt auch von mir. Bei den anderen Lebewesen habe das alles nur in der Basisversion zusammengestellt. Und was machst Du? Du streichst alles auf ein McDonald's Sparmenü zusammen und glaubst, so muss es sein, so ist es richtig. Ich will Dich zwar nicht rügen, aber so war das nicht gedacht. Und es heisst auch nicht carpe diem oder noctem sondern Carpe Vita!!!"

Natürlich gibt es immer wieder mal welche, die über andere sich das Mäulchen zerreissen, aber die machen das berufsmässig und das hat dann auch nichts mit Dir zu tun, denn schon am nächsten Tag treiben sie ein anderes rosa Nutztier durchs Dorf. Okay diese Leute haben zwar damals auch das Rennen gewonnen, aber ob das dann mit rechten Dingen zuging, wage ich zu bezweifeln, sie waren halt leider zu klein für eine Dopingkontrolle!! ;-)

Okay, bevor es wieder zu ausufernd wird: Vielleicht sagt oder denkt sich jetzt jeder heute mal "Ich bin genau richtig, so wie ich bin, ich hab genug Vertrauen, dass ich weiss, dass jeder Durchhänger wie eine Wellenbewegung ist : sie kommt zwar angerauscht - geht aber auch wieder und muss zwischendurch einfach mal sein und damals auf dem Weg zur Eizelle konnte ich auch schwimmen und bin nicht unterwegs ertrunken!"

IHR SEID ALSO SUPER!!!!
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3
Jun
2014

Nachtgedanken

Am Wochenende war ich "im Pott" auf einem Handicap-Treffen. War herrlich, weil "Menschen mit Mobilitätseinschränkungen" zusammenkamen ( ca. 12 Leute ), die sich und ihr Handicap ziemlich gut auf die Schippe nehmen konnten.

Diesmal waren aber auch ein paar "Zaungäste" da, also Herrschaften, die eine Vorliebe für Menschen, in dem Fall Frauen, mit Handicap haben. Allerdings trauten diese sich nicht, näher zu kommen, aber sie haben munter Handy-Fotos gemacht, gestört hat es uns nicht, denn die anwesenden Rollifrauen "standen" entspannt da drüber.


Bis vor ungefähr 8 Jahren wusste ich nicht, dass es sowas überhaupt gibt. Zuerst war ich skeptisch, habe das sogar als "krank" abgetan, aber dann fing ich an, mich näher damit zu beschäftigen.
Und weil ich ohnehin grade dabei war, mich scheiden zu lassen, also etwas Zeit hatte..;-)..habe ich begonnen, Kontakt mit Devotees ( so werden speziell Menschen genannt, die eine Vorliebe für Querschnittgelähmte haben ) aufzunehmen.
Hatte auch ein paar Dates. Das war bisweilen recht interessant.
Die Ausprägung dieser Vorliebe ist sehr vielschichtig.

Sie reicht von einem sehr intensiven Helfersyndrom - hatte mal ein Date mit einem Mann, der wollte unbedingt mein Essen für mich kleinschneiden,ähm ich hatte Erbsen-Steinpilz-Risotto - bis hin zu erotischen Fantasien, in denen Frauen im Rollstuhl High Heels, bzw. Stiefel und enge Röcke tragen ( halterlose Strümpfe sind als Teil dieser Fantasie optional ;-) )..

Dazu muss ich sagen, es gab mal eine Serie auf dem Frauenkanal Sixx namens "Push-Girls" in der 4 junge, sehr attraktive Damen im Rollstuhl genau diese Kleidung trugen, aber inzwischen weiss ich, dass es recht lange gedauert hatte, bis diese Damen gefunden wurden..Und genau da ist die Krux, denn in dieser Serie wurde ein Bild erzeugt, welches in der Realität nur selten stattfindet... denn die meisten Damen im Rolli können aus behindertentechnischen Gründen, diese spärliche Bekleidung nebst hochhackigem Schuhwerk nicht anziehen.
Ich beispielsweise, würde in High-Heels so aussehen, wie eine Figur aus der Augsburger Puppenkiste, der man die Fäden durchtrennt hat, also etwas windschief im Fussbereich, da kein fester Stand möglich ist, aufgrund der Lähmung..;-)..von einem ständigen Verhaken der Absätze auf dem Fussbrett des Rollstuhls ganz zu schweigen.

Eine Zeitlang fand ich das unprickelnd, dass ich mit solchen Fantasien konfrontiert wurde, aber wenn ich dann ehrlich zu mir war und bin, dann hatte und habe ich ja auch Fantasien und das Gute an denen ist, sie müssen ja nicht alle umgesetzt werden..Mein Traummann ist übrigens vom Körperbau her, kanadischer Holzfäller und Erbe einer Schraubendynastie , war Lehrling beim Dalai Lama und hat einen Harvard Abschluss..;-) ( habe mal gelesen, man soll sich grosse Ziele setzen, dann kommt man der "Sache" verdammt nahe ;-) )

Je mehr Kontakt ich zu Devotees hatte, umso mehr wuchs mein Verständnis, wobei ich aber auch sagen muss, dass ich da keine universelle Mutter Teresa bin, denn natürlich gibt es auch Herrschaften mit dieser Vorliebe, die scheinbar nicht den Knall gehört haben, sprich, die sehen nur die Behinderung, masturbieren sich einen Wolf und das war es auch schon, ein wirklicher Kontakt so mit Konversation und wirklichem Interesse an der Person, die an der Behinderung "mit dranhängt", ist nicht gegeben.

Dann gibt es wiederum welche, die glauben, dass man als Behinderte dankbar sein müsste, dass sich ein Nichtbehinderter näher für sie interessiert, was vielleicht auch damit zu tun hat, dass derjenige mit "Fussgänger-Damen" schlechte Erfahrungen gemacht hat und nun seinen Fokus auf gehandicappte Ladies richtet, mit dem Gedanken "die kann mir ja nicht weglaufen"...

mmhmm finden Sie nun die Fehler in diesem Bild..gehandicappte Ladies können durchaus weglaufen, wenn sie das Gefühl haben, das passt nicht, sie sind unter Umständen mit dem Rolli sogar schneller..;-)..

Aber natürlich gibt es auch die freundlichen und respektvollen Devotees, die wirklich eine gute Kinderstube hatten und sich immer noch an deren Einrichtung erinnern- und dann auch nutzen können im Umgang mit einer gehandicappten Dame. ;-)

Wobei aber dann des öfteren auch hier eine Schwierigkeit auftaucht. Diese Herrschaften leben meist in einer festen Beziehung, bei der der Partner keine Behinderung hat und oftmals weiss auch das nähere Umfeld nichts von einer Vorliebe für eine Behinderung, weil vielleicht die Traute fehlt, dies öffentlich zuzugeben.
Mir hat einmal ein Mann sehr ehrlich gesagt, dass er mich niemals seiner Familie vorstellen könnte, weil "wie würde das denn aussehen und wie sollte ich das dann erklären"...habe zwar seine Ehrlichkeit gewürdigt, aber ein wirkliches Verständnis hatte ich danach nicht mehr, denn wie würde er sich denn fühlen, wenn ich das Gleiche über ihn sagen würde, wäre ich an seiner statt?..
Habe irgendwie das Gefühl, dass in manchen Köpfen von den Devotees die Vorstellung herrscht, dass eine öffentliche Beziehung zu einer Behinderten gesellschaftlich nicht wirklich akzeptiert werden könnte, weil vielleicht der Gedanke aufkommen würde "hat der denn keine NORMALE gefunden?"..

Aber nicht nur aus persönlichem Interesse denke ich, dass dies eine Illusion ist, weil man sich seine eigene Wahrnehmung selbst erschafft und sie sich bisweilen viel schwieriger ausmalt, als die dann tatsächlich sein könnte.

Ich finde es schon schön und schmeichelhaft, dass ich zusammen mit meiner Behinderung bei dem einen oder anderen im Fokus seiner Begierde bin, schliesslich geniesst man es doch, wenn man als attraktiv und anziehend gilt.
Aber egal wie eloquent, attraktiv oder interessant ich als Behinderte für jemanden bin, letztenendes liegt es nicht bei mir, dass sich jemand für mich "öffentlich" entscheidet.
Aber nichtsdestotrotz bedeutet dies auch nicht, dass ich im Turmzimmer als heimliche Affäre darauf warten muss, ob und wie jemand handelt, denn diese Entscheidung ist keine einseitige Angelegenheit, aber manche behinderte Frauen glauben dies anscheinend und sehen sich dadurch schwächer, als sie es tatsächlich sind.

Und genau an diesem Punkt findet auch wieder eine Inklusion statt, denn es gibt auch genügend nichtbehinderte Damen, die über Jahre hinweg Teil einer Affäre sind und sich vielleicht schon damit abgefunden haben, aber irgendwie vielleicht nicht merken, dass ihre Selbstachtung darunter leiden könnte.

Nachtrag zu den letzten beiden Abschnitten, weil es irgendwie zu opferrollen und haudraufmässig klang..Niemand muss natürlich leben, wie ein Mönch oder eine Nonne, und/oder sich für den Prinzen oder die Prinzessin aufsparen, diese "speziellen Royals" gibt es wahrscheinlich eh nur in Büchern oder Filmen..;-)..aber ein bissel mehr Realitätsempfinden, Selbstbewusstsein und Respekt können ziemlich anziehend sein und geben einem selbst ein gutes Gefühl..

Schönen Tag!
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